Lesetraining · Gregs Welt

Greg und das Pausenturnier

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Das Pausenturnier

Montag – Heute kündigte Sportlehrer Herr Weigel ein Fußballturnier für Freitag an. Jede Klasse sollte ein Team mit sechs Spielern aufstellen. Der Preis war kein Pokal, sondern ein zusätzlicher Nachmittag ohne Hausaufgaben. Damit war für mich sofort klar: Ich musste Kapitän werden. Nicht wegen des Ruhms natürlich. Ich dachte nur sehr verantwortungsvoll an meine Freizeit.

In der großen Pause schrieb ich die Namen der besten Spieler auf. Rupert stand nicht auf meiner Liste. Er trifft den Ball nämlich manchmal so, dass er hinter ihm landet. Als er fragte, ob er mitmachen dürfe, erklärte ich ihm, dass unser Team leider „taktisch vollständig“ sei. Kurz danach sah ich, wie Rupert allein am Rand des Schulhofs übte. Er stellte zwei Trinkflaschen als Torpfosten auf und passte den Ball immer wieder genau dazwischen.

Mittwoch – Beim Training stritten sich meine ausgewählten Stars darüber, wer die Freistöße schießen durfte. Keiner wollte im Tor stehen, und zwei gingen einfach, als es zu nieseln begann. Rupert dagegen sammelte die herumliegenden Bälle ein. Dann zeigte er mir seinen Plan: Statt dass alle nach vorn stürmten, sollten immer zwei Spieler hinten absichern. Ich wollte erst nicht zuhören. Schließlich war ich der Kapitän. Doch als das andere Team dreimal ungehindert auf unser Tor zulief, probierten wir Ruperts Idee aus. Plötzlich klappte unser Zusammenspiel.

Freitag – Kurz vor dem ersten Spiel meldete sich einer meiner Stars krank. Weil sonst niemand übrig war, holte ich Rupert ins Team. Ich sagte ihm, er solle möglichst unauffällig bleiben und mir den Ball zuspielen. Rupert nickte. Im Halbfinale lagen wir kurz vor Schluss eins zu eins. Ich bekam den Ball und sah schon vor mir, wie alle meinen Siegtreffer feiern würden. Dabei übersah ich zwei freie Mitspieler und schoss aus viel zu großer Entfernung. Der Ball flog über den Zaun.

Das Spiel ging in die Verlängerung. Nun war ich müde, aber Rupert lief noch immer jedem Ball hinterher. Er eroberte ihn an der Seitenlinie. Vor dem Tor hätte er selbst schießen können. Stattdessen bemerkte er, dass Leon völlig frei stand, und passte zu ihm. Leon traf. Während alle jubelten, behauptete ich, genau dieser Spielzug habe zu meinem geheimen Plan gehört. Rupert sagte nichts, aber er grinste so breit, dass mir klar war: Er wusste es besser.

Im Endspiel setzten wir von Anfang an Ruperts Absicherung ein. Wir spielten ruhiger, riefen uns zu und achteten darauf, wer frei stand. Zwei Minuten vor Schluss führte die Parallelklasse trotzdem mit zwei zu eins. Da bekam ich noch einmal den Ball. Diesmal schoss ich nicht sofort. Ich passte zu Rupert, Rupert legte für Leon auf – Ausgleich. Das Turnier endete unentschieden, weil die Pausenglocke läutete. Herr Weigel erklärte beide Teams zu Siegern.

Am Nachmittag steckte ich meinen Hausaufgabengutschein sorgfältig in die Tasche. Rupert fragte, ob wir am Montag wieder mit den Trinkflaschen trainieren könnten. Ich sagte, das sei eine gute Idee, weil ich ihm noch einiges über Fußball beibringen müsse. Aber falls jemand fragt: Natürlich habe ich längst gewusst, dass ein Team besser spielt, wenn man einander zuhört. Ich wollte Rupert nur die Gelegenheit geben, es selbst herauszufinden.

Lesespur: Wie verändert Greg sein Verhalten zwischen Montag und Freitag – und woran erkennst du, dass Rupert dem Team hilft?

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